Olympische Spiele

Die olympischen Spiele aus der Sicht Sri Chinmoys, der propagiert Konkurrenzdenken durch den Geist mitfühlenden Einsseins und der Selbsttranszendenz - die Freude am Hinauswachsen über die eigene Leistung - zu ersetzen.

Wie denken Sie über die Olympischen Spiele?

Sri Chinmoy: Ich schätze und bewundere die Olympischen Spiele, denn sie heben den Standard der Welt. Momentan versuchen die Athleten sich gegenseitig zu übertreffen. Und zum jetzigen Zeitpunkt ist das auch in Ordnung. Hätten sie nicht diesen Wettbewerbsgeist in sich, würden sie zu Hause im Bett liegen und schlafen. Es ist besser, aktiv und dynamisch zu sein, als faul und nutzlos. Sich vorwärts zu bewegen ist besser als still zu stehen. Es ist nicht schlimm, wenn sie dabei die anderen, die mit ihnen unterwegs sind, überholen. Obwohl es nicht der höchste Ansatz ist, so ist es doch weitaus besser, als inaktiv und lethargisch zu bleiben.
Nach einer gewissen Zeit werden sie erkennen, dass es eine höhere Betrachtungsweise des Sportes gibt. Wenn der Sieg das einzige Ziel ist, können die Athleten niemals glücklich werden, denn auch wenn sie heute gewinnen sollten, wird morgen ein anderer kommen und ihnen ihre Herrlichkeit streitig machen. Wahres Glück finden wir niemals, indem wir uns von den anderen absondern. Wahres Glück erhalten wir nur durch unser Gefühl des Einsseins mit anderen, selbst wenn sie uns im Sport eventuell besiegen.
Wir alle sind Mitglieder einer Familie. Wenn dein Bruder dich im Laufen besiegt, fühlst du dich nicht schlecht, denn er ist dein Bruder. Und wenn du ihn im Schwimmen besiegst, weil du darin größere Fähigkeiten besitzt, fühlt sich dein Bruder nicht schlecht. Er wird sich sagen: „Es ist mein Bruder, der mich besiegt hat, und deswegen ist es in Ordnung.“ Wenn auf die gleiche Weise alle Athleten fühlen können, dass sie alle einer Familie angehören, dann werden sie glücklich sein, ganz gleich wer gewinnt.
Unabhängig davon, wer auf dem Sportplatz gewinnt, sollte jeder Einzelne versuchen, sich selbst in seinem eigenen Leben zu übertreffen, indem er gegen sich selbst wettstreitet und entsprechend seinen Fähigkeiten vorangeht, auf das ihm bestimmte Ziel. Auf diese Weise wird jeder Einzelne ständig Fortschritt machen und eine immer größer werdende Vollkommenheit erlangen. Wahres Glücklichsein erhalten wir nur durch unser wachsendes Gefühl von Vollkommenheit, das wir wiederum nur durch Selbsttranszendenz erlangen können. Doch zum jetzigen Zeitpunkt hat die Welt diesen Standard noch nicht erreicht.

Faszination Olympische Spiele

Die Olympischen Spiele, Michael Groß und Co.
Die Olympischen Spiele haben mich schon seit jeher fasziniert. Am nachhaltigsten sind mir dabei die Wettkämpfe von Los Angeles im Jahre 1984 in Erinnerung geblieben. Damals war ich gerade einmal 14 Jahre alt. Der berühmte deutsche Schwimmer Michael Groß wurde zu meinem erklärten Idol. Zusammen mit meinen Eltern befand ich mich im Sommerurlaub im schönen Allgäu. Unsere täglichen Wandertouren planten wir daher irgendwie um die olympischen Endkämpfe, besonders denen der Schwimmwettbewerbe, herum. Und zu ihrer und meiner grenzenlosen Freude, gewann Michael Groß sage und schreibe vier Medaillen - zwei goldene und zwei silberne mit der Staffel. Ganz "im Vorbeischwimmen" stellte er sogar noch zwei Weltrekorde über 200-Meter-Freistil und 100-Meter-Schmetterling auf.

Die Olympischen Spiele von 1988 und 1992.
1988 und 1992, bei den ersten gesamtdeutschen Spielen, war ich ähnlich verzaubert von den täglichen Großereignissen in Seoul und Barcelona. Was könnte es auch Schöneres geben, als wenn sich alle Menschen der Welt, ganz gleich welcher Rasse, Religionszugehörigkeit oder Anschauung, alle vier Jahre zu einem gemeinsamen großen Fest treffen? Völlig unabhängig von gerade schwelenden Weltkonflikten. Und ist nicht genau dies einer der Grundgedanken der Olympischen Spiele? Das heißt, einmal alle Probleme beiseite zu lassen und durch den Sport Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen zu entdecken und alle bestehenden Zwistigkeiten außen vor zu lassen?

Die Olympischen Spiele und ihr Ursprung.
Und schließlich sollte man nicht vergessen, dass aus dieser Zielsetzung heraus die Spiele überhaupt erst entstanden sind. Denn im alten Griechenland ruhten alle kriegerischen Auseinandersetzungen während den sportlichen Wettkämpfen. So viel hat sich also bis heute gar nicht geändert. Nur das die alten Griechen klug genug waren, das Ideal der Spiele von allen gerade bestehenden politischen Problemen zu trennen. Ja, gerade durch ihre Durchführung zu einer Lösung beitragen wollten.

Die Olympischen Spiele als Chance für die Menschheit.
Deshalb freue ich mich auf die Olympischen Spiele in Peking und hoffe, dass die Menschen dieser Welt die Chance nutzen, den der Geist dieser einmaligen Wettkämpfe ihnen anbietet. Und wer könnte in diesem Zusammenhang die Freundschaft zwischen Luz Long und Jesse Owens im Weitsprung bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin vergessen? Ein Farbiger wurde zum engen Freund eines Deutschen zur damaligen Zeit - eigentlich unvorstellbar!
Doch genau solche Momente spiegeln den wahren Geist der Olympischen Spiele am schönsten und eindrucksvollsten wider.

(Siehe auch Web-Log zur Selbst-Transzendenz von Kai Keller)

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