Zerstörung der Welt

Seit Menschengedenken sprechen Menschen vom Weltuntergang und davon, dass früher alles besser war. Sri Chinmoy sieht, dass die Welt sich positiv weiterentwickeln wird, dass unsere Erde zu einem Reich des Friedens und der Freude werden wird und sagt warum.

Gott ist voller Liebe und Güte. Wird er der Menschheit mit ihrem Hochmut und ihrer Gier erlauben, die Welt zu zerstören?

Sri Chinmoy: Genau deshalb, weil Er voller Liebe und Güte ist, wird Gott der Menschheit niemals erlauben, diese schöne Welt von Ihm zu zerstören. Schlaflos erzählt er uns, diese Welt als unsere eigene in Anspruch zu nehmen, und Ihm in dieser Welt zu dienen, indem wir die Reinheit und Göttlichkeit unserer Leben vergrößern.
Wir können alle sehen, dass die Welt in letzter Zeit riesigen Fortschritt gemacht hat. Gott hat den menschlichen Verstand und das Herz erfolgreich inspiriert, nach einer harmonischeren Welt zu streben. Er flößt dem Erd-Bewusstsein mehr Einsseins-Licht ein, damit es über nationale Grenzen und andere Spaltungen hinausgeht. Im letzten Jahr zum Beispiel wurden rund um den Globus viele tiefgreifende Schritte in Richtung Frieden und Harmonie unternommen, besonders in der UDSSR und Osteuropa. Dass diese Veränderungen entstehen konnten und dass diese Barrieren verschwunden sind war vorher jenseits unserer Vorstellungskraft. Einige Menschen bezeichnen diese tiefgreifenden und unerwarteten Ereignisse als Gottes Wunder in und durch die Menschheit.
Wir müssen uns in Gedächtnis rufen, dass der Schöpfer immer mächtiger ist als Seine Schöpfung. Der Schöpfer kann die negativen und zerstörerischen Kräfte in der Welt leicht beeinflussen oder verändern. Unser Geliebter Höchster könnte eine bevorstehende nukleare Katastrophe abwenden, beispielsweise dadurch, dass er den Verstand des Piloten verändert, der im Begriff war, die Leben vernichtende Bombe abzuwerfen. Deshalb müssen wir an unseren Schöpfer glauben und Ihm vertrauen, dass er ganz bestimmt das Notwendige für Seine Schöpfung tun wird.

Wie betrachten Sie die augenblickliche Lage der Menschheit? Die Welt entzweit sich. Wie würden Sie den Ausbruch von Feindlichkeit und Brutalität auf der Welt erklären, der überall anzutreffen ist? Können Sie sich hierfür irgend eine Lösung vorstellen?

Sri Chinmoy: Sie meinen, dass sich die Welt entzweit. Doch ich möchte dazu sagen, dass dies eine sehr, sehr alte Geschichte ist. Wir glauben an die Wiedergeburt. Vor drei- oder vierhundert Jahren, als wir in einem anderen Körper und in einem anderen Teil der Welt gelebt haben, hätten wir dasselbe gesagt. Direkt vom Beginn der Schöpfung an hat unser trennender Verstand uns in den Glauben versetzt, dass unsere Welt voller Dunkelheit ist, dass unsere Welt zugrunde geht oder dass sie dabei ist, zerstört zu werden. Wenn wir unsere Eltern und Großeltern fragen, erzählen sie uns dieselbe Geschichte. Manchmal empfinden sie eine Art Vergnügen dabei, wenn sie ihre Kinder schimpfen und betonen, wie gut die alten Zeiten waren: „Ihr seid so schlecht, so nutzlos! Zu unserer Zeit war alles viel besser.“ Aber Unvollkommenheit kommt nicht von Vollkommenheit. Nein, auch in jenen Tagen stritten sich die Menschen und bekämpften sich die ver-schiedenen Länder.
Wir können niemals sagen, dass es zu Zeiten unserer Großeltern und Urgroßeltern keinen Neid, keine Un-sicherheit, keinen Zweifel und keine Verdächtigung gab. Wir können niemals sagen, dass in jenen Tagen goldene Zeiten herrschten, während heute überall Dunkelheit dominiert. Nein, der Unterschied zwischen früher und heute ändert sich nur sehr langsam. Wir können sagen, dass wir vor zwei Jahren mehr Konflikte hatten, mehr Katastrophen, mehr Missverständnisse. Oder wir können sagen, dass es damals äußerst schlimm war und jetzt ein wenig besser ist. Wir können jedoch meiner Meinung nach nicht sagen, dass die Welt heute am untersten Punkt ihres Bewusstseins angelangt ist und alles weit jenseits jeder Verbesserungsmöglichkeit liegt.
Als Stalin noch lebte, sagten die Leute dasselbe: „Ach Gott, alles ist so schlecht, so schlecht.“ Das Lied der Weltzerstörung begann vielleicht an dem Tag, als die Welt erschaffen wurde. Jeden Tag sehen wir Leben und Tod. Jeden Tag, den wir leben, rücken wir unserem Tod näher. Deshalb ist die Botschaft des Todes ein Teil des Lebens. Aber wir glauben nicht, dass der Tod das Ende ist. Wir glauben, dass wir nach dem Tod an einen Ort gehen, um uns auszuruhen. Später, nach einer gewissen Zeit, beginnen wir ein neues Leben.
Gott gebrauchte Seine Allmacht, um die Welt zu erschaffen. Er kann Seine Allmacht ebenso dazu gebrauchen, um uns zu vervollkommnen. Doch um uns zu vervollkommnen, braucht Er unsere Bereitschaft, unseren Willen und unseren Eifer. Wenn Er von uns ein wenig guten Willen und Eifer erhält, wird es für Ihn unendlich viel leichter, die Welt besser, seelenvoller und friedvoller zu machen. Jetzt steckt die Welt voll Leiden. Aber der Tag muss kommen, an dem es keine Konflikte mehr gibt. Weil Gott selbst voller Liebe und voller Weisheit ist, wird diese Welt, unsere Welt, mit Sicherheit in ein Königreich der Freude, des Glücks und der Erfüllung verwandelt werden.
In unserem äußeren Leben sind wir sehr begrenzt. Wir sind voller Unsicherheit, Neid, Unreinheit, Zweifel und vielen anderen negativen Eigenschaften, die wir bewusst und vorsätzlich hegen. Doch wir besitzen noch ein anderes Leben, das wir als das innere Leben bezeichnen. Dort sind wir voller Liebe zu Gott und voller Anteilnahme für die Menschheit.
Unser inneres Leben, welches das Leben des Einsseins ist, ist unser wahres Leben. Gegenwärtig schätzen wir leider nur unser äußeres Leben, das voller Begrenzungen und Unvollkommenheiten ist; wir treten nicht in unser inneres Leben ein, um zu sehen, wer wir wirklich sind.
Wir müssen das innere Leben der Strebsamkeit, der Widmung und der Verwirklichung ganz als unser eigen annehmen. Wenn wir das innere Leben und die innere Wirklichkeit als unser Eigen annehmen können, werden wir in näherer oder fernerer Zukunft vorbildliche Menschen sein und gute Dinge für die Menschheit tun. Die Lösung für alle Probleme der Welt liegt also in unserem Bestreben, bessere Menschen zu werden. Wie können wir bessere Menschen werden? Wir können es nur, indem wir an ein Einseins-Herz denken, für ein Einsseins-Herz beten und auch tatsächlich das Leben eines Einsseins-Herzen leben.

Atomwaffen und Atomenergie sind sehr gefährliche Werkzeuge. Wie ist Ihre Haltung zu diesem Thema?

Sri Chinmoy: Atomwaffen und Atomenergie sind in der Tat äußerst gefährliche Werkzeuge. Zum augenblicklichen Zeitpunkt setzt man sie für zerstörerische Zwecke ein, besonders Atomwaffen. Wer aber hat sie erfunden? Der Mensch ist der Schöpfer von Atomwaffen und Atomenergie. Gleichzeitig müssen wir bedenken, dass der menschliche Schöpfer wiederum eine Schöpfung des Höchsten Schöpfers ist. Im Bruchteil einer Sekunde kann der Höchste Schöpfer den destruktiven Verstand eines Menschen in einen liebenden, universellen Verstand verwandeln.
Der Verstand also entscheidet über die Erhaltung oder die Vernichtung der Menschheit.
Wenn das Höchste Wesen durch den menschlichen Geist wirken möchte, dann brauchen und können die gefährlichen Erfindungen der Menschheit nicht gefährlich sein. Denn es gibt etwas, das unendlich mächtiger ist als diese gefährlichen Werkzeuge, und diese äußerst machtvolle Sache ist Gottes Mitleid für Seine Kinder. Wenn Gott Seine höchste Waffe, das Mitleid, gebraucht, wird sich keine menschliche Erfindung – und sei sie noch so gefährlich – dagegen behaupten können.
Gottes Mitleid und Gott, das Mitleid, sind immer für die Menschheit. Zuerst schickt Gott Seinen Vertreter, das Mitleid. Wenn Er sieht, dass Sein Vertreter nicht stark genug ist, das Problem zu lösen, dann erscheint Er Selbst in Form des Mitleids-Gottes. In den meisten Fällen reicht die Mitleids-Kraft Gottes jedoch mehr als aus, um die Welt vor drohenden Krisen zu bewahren.

Die Ökologie in uns

Ökologie und Selbstfindung.
"Wir gehen mit unserer Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Keller", war das Thema meiner Abschluss-Prüfungsarbeit im Fach Deutsch. Dies ist nun mehr als 20 Jahre her. Doch leider hat sich seitdem nicht so sehr viel geändert. Eher im Gegenteil. Gibt es überhaupt noch Hoffnung?, fragen daher bereits auch etliche besorgte Mitmenschen.
Und beim Anschauen von Filmen wie Al Gores oskarprämiertem Werk "Eine unbequeme Wahrheit" kommen sogar mir ernsthafte Zweifel. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und zudem, würde es der Schöpfer wirklich zulassen, dass Seine wunderschöne Kreation einfach so zugrunde geht? Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen! Deshalb liegt für mich auch der Schlüssel zu diesem Problem in der Konzentration auf das Göttliche in uns selbst.

Alles ist eine Frage des Bewusstseins.
Je mehr der Mensch von seinem eigenen kleinen "Ich" abrückt, desto mehr ist er bereit an sein Umfeld, seine Mitmenschen und somit seine gesamte Umwelt zu denken. Wie gelingt ihm dies? Durch Meditation auf sein unvergängliches und tief verborgenes ewiges Selbst. Aus diesem Grund sagen sogar bereits die alten indischen Schriften, zu einer Zeit in der Ökologie sicherlich noch kein Thema war, dass der Ich-bezogene Mensch dazu neige, seine Umwelt auszubeuten.
Meditation ist also eine Art Gegengewicht und birgt ein Gefühl von "ich bin verbunden mit allem" in sich. Denn würde sich der Mensch willentlich selbst Schaden zufügen? Sicher nicht! Aus diesem Grund ist der innere Weg die Wurzel, aus dem heraus der Lebensbaum, die physische Erde mit all ihren Lebewesen erwachsen muss, soll sie wirklich dauerhaft Bestand haben.

(Siehe auch Web-Log zur Selbst-Transzendenz von Kai Keller)

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